9. November, Schicksalstag der Deutschen

 

Wie stabil ist unsere Demokratie und was können wir dazu beitragen, um sie zu stärken und zu erhalten?

Im Hintergrund dieser Leitfrage besuchten am 9. November drei Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtages die BBS Landau zu einer Gesprächsrunde. Der Tag war hierbei nicht zufällig gewählt: Der 9. November ist einer der geschichtsträchtigsten Tage Deutschlands. Besonders im Fokus standen hierbei die Reichspogromnacht in der Nacht zum 10. November 1938 und der Mauerfall im Jahr 1989.

An diesen Tag konnten sich alle Gäste noch gut erinnern. Christine Schneider (CDU) berichtete, wie sie als Siebzehnjährige mit ihren Eltern vor dem Fernseher saß und diese Tränen der Rührung in den Augen hatten. Wolfgang Schwarz, polizeipolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hätte nicht damit gerechnet, den Mauerfall jemals zu erleben, und erinnerte sich auch an die merkwürdige Stimmung bei Reisen in die DDR, wo man in einem komplett leeren Restaurant aufgefordert wurde, sich an einen anderen Tisch zu setzen.

Martin Schmidt (AfD), aufgewachsen nahe der innerdeutschen Grenze in Braunschweig, war Student in Freiburg, als die Mauer fiel. Er berichtete, wie er sich mit vier Freunden in ein Auto setzte, um dann selbst einen Tag später, am 10. November, auf der Berliner Mauer zu stehen und anschließend einen antizyklischen Ausflug nach Ost-Berlin zu machen.

Besonders emotional war aber der Bericht der vierten Teilnehmerin der Gesprächsrunde: Unsere Kollegin Birgit Sasse war 20 Jahre alt, als die Mauer fiel. Sie ist jedoch in der DDR aufgewachsen und kennt daher die andere Perspektive. Für viele überraschend verband sie den Mauerfall aber vor allem mit Angst und einer ungewissen Zukunft. Hochschwanger im Krankenhaus konnte sie sich nicht vorstellen, in dem Staat zu leben, der ihr seit 20 Jahren als „Klassenfeind“ dargestellt wurde.

Ihre Ängste sind jedoch glücklicherweise nicht eingetreten – im Gegenteil. Frau Sasse bekam die Möglichkeit, Jura zu studieren, zu reisen und ihren Kindern die Welt zu zeigen. Und dass wir uns die BBS Landau ohne sie nicht vorstellen können, dürfte ja kaum überraschend sein.

Ein besonderes Augenmerk lag danach auf dem Ausspruch „Wir sind das Volk!“ 1989 ein wichtiges Symbol für den Kampf um Freiheit bei den Montagsdemonstrationen, wurde die Aussage in den letzten Jahren vor allem von Bewegungen wie Pegida genutzt. Während Martin Louis Schmidt in Bezug auf dieses Thema vor allem das Recht der Meinungsfreiheit betonte, wurde Christine Schneider deutlich und machte klar, dass Pegida den Spruch missbrauche. Auch Frau Sasse sah die Instrumentalisierung dieser Parole kritisch und betonte: „Hier ist die Schule bunt. Und ich liebe es.“

Im Anschluss an diesen ersten Teil der Gesprächsrunde, die von unseren Kolleginnen Dr. Annette Ehrgott und Elke Back-Schück, die sich auch für die Organisation im Vorfeld verantwortlich zeigten, großartig moderiert wurde, hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen. Besonders viele Fragen richteten sich dabei an Herrn Schmidt, dessen Partei in der Öffentlichkeit äußerst kontrovers betrachtet wird. So erklärte Schmidt die Gründe seines Eintritts in die AfD mit einem patriotischen Denken und damit, dass er die zentralistischen Mechanismen der EU sowie die Flüchtlingspolitik der deutschen Regierung kritisch sah. Angesprochen auf rassistische Äußerungen aus seiner Partei betonte er, dass es hiervon deutlich weniger gäbe als meist dargestellt, was auch daran läge, dass bestimmte Äußerungen in der Öffentlichkeit falsch gedeutet würden.

Doch die Schülerinnen und Schüler stellten auch viele weitere Fragen. Bei der Frage, was man gegen Fake News tun könne, nahm Christine Schneider auch die Schulen in die Pflicht, denn Fake News können nicht verboten werden. Stattdessen müsse jeder Einzelne hinterfragen, welche Nachrichten echt sind und welche nicht.

Eine klare Distanzierung von der Antifa vermied Wolfgang Schwarz, da er die Antifa zunächst als Kämpfer gegen Faschismus betrachte, was eine gute Sache sei. Dies höre jedoch da auf, wo Gewalt genutzt werde.

Ähnliches sagte auch Christine Schneider in Bezug auf die Ausschreitungen in Chemnitz. Jeder dürfe seine Meinung vertreten, jedoch nur, solange das Grundgesetz geachtet werde.

Ein tolle Schlusswort formulierte Wolfgang Schwarz auf die Frage, was man tun könne, damit Deutschland demokratisch bleibt: „Genau das, was wir heute tun: Miteinander diskutieren.“

Und so endete nach 90 Minuten eine interessante Diskussionsrunde vor zahlreichen interessierten Schülerinnen und Schülern, von denen manche auch noch blieben, um die Politiker persönlich anzusprechen.

 

Wir danken an dieser Stelle Christine Schneider, Wolfgang Schwarz und Martin Schmidt, dass sie sich die Zeit genommen und viele Schülerfragen beantwortet haben. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir eine solchen Veranstaltung mit Ihnen wiederholen könnten.

 

Bericht: Mario Henn

 

Bildunterschriften:

BBS Landau Wie stabil ist unsere Demokratie 9. November 2018 Bild 2

 (v. l.): MdL Wolfgang Schwarz (SPD), MdL Christine Schneider (CDU), Elke Back-Schück (Lehrerin), MdL Martin Schmidt (AfD), Dr. Annette Ehrgott, Birgit Sasse (beide Lehrerinnen)